Elina Duni Quartet
"Matane Malit"
ECM Records, 2012
Nun liegt Weihnachten schon hinter uns. Haben Sie das Fest genossen?
Für mich sind vor allem die stillen Tage zwischen den Jahren eine ganz besondere Zeit: nach dem ganzen Vorbereitungs- und Fest-Trubel wie ein Geschenk...
Wie halten Sie es denn mit musikalischen Geschenken? Ich finde es toll, überrascht zu werden: Wie schön ist es, heraushören zu können, wie gut man von einem Schenkenden gekannt wird. Wenn ein Geschenk zum Spiegel für die liebevolle Vertrautheit untereinander wird.
Mir fällt da die CD ein, die ich am Heiligen Abend vor zwei Jahren auspacken durfte: Schon bei den ersten Tönen habe ich gemerkt: diese Musik in für mich. Obwohl ich keinen der Musiker, geschweigendenn die gesungene Sprache (Albanisch) kannte, war ich sogleich in ihr zuhause.
Die CD beginnt ganz aus der Ruhe heraus: eine einsame Frauenstimme singt eine Volksweise, melancholisch und (mit ihren arabesken Verzierungen) doch auf unaufdringliche Weise lebendig. Dann setzt das Schlagzeug ein, sanft pulsierend, ein leises Gemurmel zu den schwebenden Klängen des Kontrabasses. Schließlich beginnt das Klavier das Stück anzuschieben: mit aufsteigenden Akkorden, die Fahrt aufnehmen und die Stimme in ein silbrig-flötenhaftes Improvisieren versetzen. In diesem Zusammenspiel beginnt das Lied zu kreisen und zu kreisen...
So erlebe ich die gesamte CD: als einen Kreislauf durch die Melancholie albanischer Volkslieder. Wer das Label ECM kennt, wird sich sogleich vorstellen können, daß diese Musik mit Folk wenig und mit Folkrock gar nichts zu tun hat, sondern ganz mit den Ohren des Jazz zu hören ist.
Das Schlagzeug zischelt, rasselt, rollt und pocht, und auch das Klavier bleibt in der Schwebe: niemals läßt sich der Pianist Colin Vallon dazu verführen, die schlichten Melodien durch exzentrische Jazzharmonik anzureichern oder zu romantisieren. Wie das Schlagzeug beginnt auch er häufig nur mit wenigen Tönen, pocht und tickt, legt eine Basis, mehr nicht. Bisweilen nutzt er auch die Möglichkeit, das Klavier zu präparieren, d.h. mechanisch in geräuschhaftere Klänge umzuwandeln. Selbst in größeren Piano-Soli verläßt er nicht den kreisenden Grundcharakter: er spielt mit Klangtrauben und -schichtungen, jongliert, baut auf und zersetzt, und bleibt doch immer in einem archaischen, modalen Klangraum, der nicht fortschreitend, sondern schwebend anmutet.
Umso mehr begrüße auch ich die „Versöhnung“ zum Schluß, "Mine Peza", das letzte Lied: eine zarte Volksweise, liebevoll und schlicht und ausnahmsweise auch mal recht klassisch, harmonisch begleitet. Eine schöne Art von geschenkter Stille zwischen den Jahren.
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