Il Giardino Armonico:
Bach Biber Corelli Locke Monteverdi Rossi Vivaldi
11 CDs, Warner Classics, 2006
Und: sind Sie schon im Frühling angekommen? Oder der Frühling bei Ihnen? Und wie fühlt sich das an: So ähnlich zart wie „leise klingt durch mein Gemüt“ bei Heinrich Heine, oder kraftvoller, eine Explosion von Farben, Düften, Assoziationen?
Ich mag den Frühling gerne frisch -
und lande musikalisch (Schubert und Strawinsky am Wege lassend) doch am ehesten bei Vivaldi. Nicht gerade orginell, das gebe
ich zu. Aber gute Stücke werden nicht schlechter dadurch, daß man
in Gefahr läuft, sich ihrer leidzuhören. Und „Die vier
Jahreszeiten“ müssen ja durchaus nicht so klischeehaft glatt und
dauerlächelnd daherkommen, wie man das aus ihrer vielfachen
Vermarktung gewohnt ist. Denn nicht nur in den Takten des
Sommergewitters oder in den zerrenden Kälteschüben und Schneeböen des
Winters ging es Vivaldi weniger um schmerzfreie
Hintergrundberieselung als um das Erlebnis von Naturgewalten.
Launisch, beunruhigend, fesselnd.
Natürlich benötigt man auch eine
gewisse Art von Temperament, um diese unterschiedlichen Temperaturen
auf den Hörer übertragen zu können, und da ist es begrüßenswert,
daß sich in der zweiten bis dritten Generation der
Originalklangbewegung auch die Italiener zurückgemeldet haben. Allen
voran Giovanni Antonini und sein Ensemble „Il Giardino Armonico“,
die den Vivaldi-Dauerbrenner mit einer der flammendsten Lesarten
angehen, voller Kontraste, voller subtiler Zwischentöne. Auch
diejenigen, die die Stücke in und auswendig zu kennen meinen, werden
die ein oder andere Neuentdeckung machen können. So herrscht im Garten der
„Giardino“s ein Blütenzauber der Überraschungen: was wo aus der
Erde herausbricht, wie sich altbekannte Farben neu mischen.
Da man in diesem Garten gerne immer
wieder vorbeikommt, lohnt sich die hier vorgestellte Sammelbox
diverser Aufnahmen aus den Jahren 1991 bis 2001 (wohlgemerkt: zum Preis einer Doppel-CD!) ganz besonders. Ihre Spezialitätenliste
enthält (so wie die Speisekarte jedes guten Italieners) schwerpunktmäßig
Heimisches: viel Vivaldi (Kammerkonzerte, Duo- und Triokonzerte),
Neapolitanische Musik in Kammerbesetzung (von Scarlatti und anderen),
eine Zusammenstellung der bekanntesten barocken Weihnachtskonzerte
(von Corelli, Manfredini undsoweiter, vom Hören kennen Sie das sicherlich!) und eine wunderbare „Viaggio Italiana“ durch kleine, kurze frühe Meisterwerke, eine
Antipasti-Platte der erlesensten Sorte, die kräftig Hunger auf mehr
macht.
Wie viel Spaß es bringt, sich von diesem Ensemble an die Hand nehmen und von Kostbarkeit zu Kostbarkeit führen zu lassen, durfte ich unlängst mal wieder live erleben, mit einer 8-Euro-Podiums-Karte, fast zwischen den Musikern sitzend. Blütenduft hautnah sozusagen. Und es war spannend, genau zu sehen, wie sich Antoninis tänzerische, sprungkräftige Bewegungssprache im Dirigieren und Flöten direkt auf seine Mitstreiter überträgt. Von soviel Elan können die Deutschen profitieren,- dabei meine ich nicht nur die Zuhörer, sondern auch die Komponisten. Denn auch Antoninis Lesarten von Biber, Bach und Consorten können sich hören lassen: selten sind die Brandenburgischen Konzerte -oder auch der Kanon von Pachelbel- so undogmatisch, elastisch und spielfreudig zu hören wie hier.
Eine gute Mischung aus wohlbekannten Höhepunkten des barocken Kulturschatzes und seltenen Blüten gießt sich hier also über uns aus, und es bleibt atmosphärisch durchaus nicht nur beim Frühling. Aber die 11 1/3 Stunden Spielzeit dürften wohl ohnehin eine ganze Weile reichen.
Eine gute Mischung aus wohlbekannten Höhepunkten des barocken Kulturschatzes und seltenen Blüten gießt sich hier also über uns aus, und es bleibt atmosphärisch durchaus nicht nur beim Frühling. Aber die 11 1/3 Stunden Spielzeit dürften wohl ohnehin eine ganze Weile reichen.
Musik weckt Assoziationen, so habe ich mich treiben lassen von deinem Text. Hängengeblieben bin ich beim Pachelbelkanon, einmal mehr in meinem Leben und stelle fest, dass es wirklich eine erfrischende neue Version dieses abgenudelten Stückes ist, die Giardino Amornico uns da bietet... ich höre weiter zu und werde von der Art der Interpretation an King's Noise Tarantella erinnert. Ewig habe ich dieses Stück nicht gehört. Ewig habe ich auch nicht die Erinnerungen gehabt, die an dieses Stück gebunden sind... Hier einmal für alle der Link:
AntwortenLöschenhttps://www.youtube.com/watch?v=xbhmXZQM3ZI
Würde ich weiter schwelgen, wer weiß, wo es mich hinbringen würde....